Feuer und Flamme - ökumenische Kirchennacht

Feuer und Flamme

Sperrangelweit standen die Türen des Hauptportals der Kirche St. Johann Baptist offen. Die Innenbeleuchtung in rot/orange spiegelte das Thema wieder und war bis nach draußen zu sehen. Einladend standen auch Laternen auf den Stufen. Wie immer läuteten alle Glocken aller Kirchen im Tal: Kommt!


Feuer und Flamme: Die Begrüßung von Pastor Michael Ottersbach und Pfarrerin Britta Beuscher eröffnete den Abend. Feuer und Flamme spricht von Begeisterung. Viele Sprachen und Kulturen machen unsere Welt bunt, lebendig, vielfältig – wenn wir nicht nur uns selbst in den Vordergrund stellen, sondern das Gemeinsame betonen! Wir sind eins im Angesicht Gottes.



Der Abend begann mit einer wunderbaren Symbiose aus westlicher und orientalischer Musik. Die Elemente beider verschmelzen dergestalt miteinander, dass ihr Ursprung nicht mehr erkennbar ist sondern etwas faszinierend Neues geschaffen wird. Das Ergebnis ist weder westlich noch orientalisch, sondern das Gemeinsame. Dazu beigetragen haben auch die eingesetzten Instrumente, das arabische Saiteninstrument Ud und die beiden ältesten Holzblasinstrumente Nai und Duduk. Die drei Musiker, Musikwissenschaftler und Komponisten spielten zusammen mit dem Avîan Quartet, und die oben beschriebene Symbiose gelang auch durch die Begegnung von arabischen Musikinstrumenten mit den uns bekannten. Über das Avîan Quartet ist zu lesen: Der Name kommt aus dem Kurmancî, einem der ältesten kurdischen Dialekte und bedeutet „Tautropfen“. Aus den Geschichten und Liedern ihrer Vorfahren schöpfen sie wie aus einer Quelle, um Neues zu schaffen, das wie Tautropfen in der Sonne neu erstrahlt. Auch hier wird die große Vielfalt orientalischer Musik mit Elementen aus Klassik und Jazz verbunden und verknüpft so die mittelöstliche Welt mit der westlichen. Die vielen ZuhörerInnen waren begeistert und forderten eine Zugabe.



Die Pfingstgeschichte = alle verstehen, was gesprochen wird – und der Turmbau zu Babel = Sprachverwirrung können nicht gegensätzlicher sein. Britta Beuscher sagte in ihrer Einleitung, dass beide Geschichten zusammengehören wie die zwei Seiten einer Medaille. Die Geschichte vom Turmbau zu Babel aus dem Alten Testament erzählt uns von der Idee der Menschen, einen Turm bauen zu wollen, der zum Himmel reicht. Nach dem Motto „höher, schneller, weiter“ … ist dies die Geschichte eines Abbildes vom Größenwahn. Die Menschen sind nicht mehr eines Sinnes und können sich nicht mehr verstehen. An Pfingsten schickt Gott seinen Heiligen Geist. Er verändert die Menschen, er bewegt sie, sie kommen zusammen, sie beten und loben Gott und plötzlich verstehen sie einander und gestalten die Welt: So kann Friede werden.


Beide Geschichten kamen zu Gehör. Die Geschichte vom Turmbau zu Babel wurde in verschiedenen Sprachen vorgelesen, drei Mal gab es dazu Musik. Stefanie Weinz sang den Titelsong aus dem Film „Wie im Himmel“ auf Schwedisch, Mairead Fry mit engelsgleicher Stimme das Vaterunser auf Gälisch und Sascha Perepadya, der Bruder von Katja Perepadya spielte auf seinem Akkordeon. Und am Ende der verschiedensprachlichen Lesungen hörten die GotteshausbesucherInnen die Pfingstgeschichte, vorgetragen von Britta Beuscher. Berührende Momente, die mit dem gemeinsam gesprochenen Vaterunser - in der Muttersprache gebetet und von Antje Lindner gebärdensprachlich untermalt –ihren flammenden, spirituellen Abschluss fanden.


Es ist in der Nacht gute Tradition, den BesucherInnen die Möglichkeit zu geben, nach intensiven Erlebnissen, wie die vorangegangenen Programmpunkte sie darstellten, zur Ruhe zu kommen und sich in der Kirche umzuschauen. Das hatte diesmal bei der ersten ökumenischen Nacht nach der Renovierung einen besonderen Reiz. Erwin Martini, der kenntnisreiche Führungen in St. Johann Baptist anbietet, hatte zu zwei Kunstwerken jeweils ein Infoblatt bereitgestellt.


Milena Bijno Kunz, die Rhöndorfer Künstlerin war schon 2014 mit ihren Werken in der Kirche präsent. Wir danken ihr, dass sie schnell und unkompliziert ihren Kunstschatz auf Werke, die mit dem Thema der Nacht korrespondieren könnten, durchforstete und uns sechs ihrer Werke zur Verfügung gestellt hat, die das Auswahlkriterium in besonderer Weise erfüllt haben. Zu sehen waren auf der linken Seite „Sodom und Gomorrha“; das Bild steht für alle Kriegssituationen auf der Welt, daneben stand der beschützend wirkende „Feuerengel“. Gegenüber wurde das heilige Grab von zwei Bildern eingerahmt, „Gründonnerstag“ und „Herz Jesu“. Unter der Chorempore waren „Feuer“ und „Ichtyos“ zu finden.

Während dieser Phase des Schauens sorgte unser Kantor Norbert Precker an der Orgel für die musikalische Begleitung. „Zu Beginn erklang Dorien Choral von J. Alain, in dem sich der Komponist dem gregorianischen Choral verpflichtet fühlt. Danach hörte man den 3. Choral in a-moll von C. Franck. Hier hat der Komponist kein Lied als Thema gewählt, sondern einen von ihm frei erfundenen Choral durchgeführt. Zuletzt waren die Acclamations von J. Langlais zu hören. Langlais greift als Thema die Christus Rufe „Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat“ von Hinkmar von Reims auf. Dieser Hymnus wird von ihm mit großartigen Klängen in die Orgelmusik umgesetzt“.

Den nächsten Höhepunkt stellte das Konzert mit dem Gospelchor „n’Joy“ der evangelischen Kirche dar, der, wie Johannes Weiß launig bemerkte, ja doch eher ein ökumenischer ist, sind doch mindestens die Hälfte der Chormitglieder katholisch. Passt schon. Wir waren sehr froh, den Chor nach fünf Jahren wieder in der ökumenischen Nacht in St. Johann Baptist hören zu dürfen!

Die SängerInnen, geleitet von ihrem Chorleiter, haben das Thema der Nacht mit ihren hinreißenden, die ZuhörerInnen entflammenden Gesängen, voll umgesetzt. „Halleluja“, war das Eingangslied, das gleich in zwei Versionen von G. F. Händel (Solistin Stephanie Weinz) und von Leonard Cohen (Solist Lukas Vreden) vorgetragen wurde. Weiter zu hören waren „Gracias a la Vida“ (Solistinnen Kristina ? und Mila Vreden Bascon), das der Chor u.a. für seine diesjährige Chorfahrt nach Granada einstudiert hatte, und „I still haven’t found“ (Solistin Andrea Iser). Die Aufforderung, sich bei dem Lied „Glorious“ (Solistin Ruth Zimmermann) mitzubewegen, wurde sofort von den vielen Fans befolgt. Beim anschließenden „Viva La Vida“, verteilten sich die SängerInnen im ganzen Kirchenraum. Am Ende erklang zum dritten Mal für die Nacht das Vaterunser (Solisten Lukas Vreden und Christoph Arens), in Suaheli gesungen. Standing Ovations waren der Dank für dieses Feuer und Flamme-Ereignis.


Mit dem Taizégebet zur Nacht erlebten noch die Vielen, die geblieben waren, einen wohltuenden, meditativ spirituellen und innerlich wirkenden Abschluss der Nacht. Begleitet wurde der Gesang von der jungen Band der evangelischen Kirche unter der Leitung von Hayo Janßen.



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